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 Geschichte


 



Das Dorf Altendiez liegt in einer Landschaft, die seit der Vorzeit besiedelt war.
In den Höhlen der Wildweiberlei an der Lahn wurden Funde der jüngeren Altsteinzeit (Ende ca. 10.000 v. Chr.) gemacht.

Die erste urkundliche Erwähnung fällt in das Jahr 790. Altendiez ist also das alte Diez.
1285 wird der Ortsname Altendiez im Unterschied zu Diez genannt. Territorial gehörte Altendiez den Grafen von Diez. Von 1815 bis 1866 war Altendiez ein Teil des Herzogztums Hessen-Nassau, das 1866 preußisch wurde. Ab 1949 sind wir ein Teil des neuen Bundeslandes Rheinland-Pfalz.

Vor 200 Jahren wohnten 281 Einwohner in Altendiez. Bedingt durch den Bau der Lahntalstrecke (Eisenbahn) und die Gründung der Kalksteinbrüche nahm die Bevölkerung stark zu.


Vorzeitfunde in den Lahnfelsen - Die Wildweiberlei

Wilbweiberlei

Es ist ein seltener Glücksfall, dass die Geschichtsschreibung des heimischen Raumes gleich zu Beginn mit einem Höhepunkt, der in die Vorgeschichte fällt, aufwarten kann. Denn aus dieser Zeit liegen uns zahlreiche Funde aus bekannten Fundorten vor, die be­zeugen, dass unser Raum wohl durchgängig seit der jüngeren Altsteinzeit, die etwa 10 000 v. Chr. ausklang, besiedelt wurde. Gemeint sind Höhlensysteme in den Kalkfelsen der Lahn, nämlich die »Wildscheuer« bei Steeden und die »Wildweiberlei« bei Diez/Altendiez. Beide Fundorte mit den ähnlichen Namen hatten leider das gleiche Schicksal, sie wurden inzwischen durch Steinbrucharbeiten abgetragen.

Zum Glück gibt es - was die Wildweiberlei angeht - einen ausführlichen Fundbericht von Hermann Heck², der dort während eines knappen Jahres vom März 1920 bis Februar 1921 Ausgrabungen durchgeführt hat. Sein handschriftlicher Grabungsbericht enthält zahlreiche Skizzen von den verschiede­nen Grabungsstellen, Profile von den einzelnen Schnitten, sorgfältige Aufmaßwerte zu den Fundstellen bzw. zur Stärke der verschiedenen Schichten und Angaben über Lage und Art der Funde.Skizze 1 zeigt in der Draufsicht das Höhlensystem insgesamt. Besonders eingehend wurde am Punkt D, dem Eingang zur Höhle l und auch im sog. Abri, d. h. eine Art Unter­stand über der Höhle, gegraben, (vgl. u. S. 13).Skizze 13 ist einer von mehreren Aufrissen vom Grabungsprofil an diesem Höhlenein­gang. In einem nüchternen Kommentar berichtet dann Heck mit den entsprechenden ar­chäologischen Fachausdrücken von den einzelnen Funden in den jeweiligen Schichten. Wenn man das alles zusammenfasst und in einen chronologischen Zusammenhang zu bringen versucht, ergibt sich folgender archäologischer Befund: In den obersten also jüngsten Schichten fanden die Ausgräber im Humus neuzeitliche und mittelalterliche Scherben. Offensichtlich sind die Höhlen auch noch in jüngerer Zeit aufgesucht worden und haben in irgendeiner Weise als Zuflucht gedient. Eine gewisse Kontinuität in dieser Funktion läßt sich bis zum 2. Weltkrieg feststellen, als in der Nähe zwei Stollen als Luft­schutzbunker in die Felsen vorgetrieben wurden. Die nächste Schicht mit vielen Scherben ist der Latene-Zeit zuzuordnen: das ist die Jüngere Eisenzeit ab etwa 450 v. Chr., genannt nach einem Fundort nördlich des Genfer Sees. Die Latene-Zeit endet in unserem Raum kurz vor der Zeitwende mit dem Auftau­chen der Römer. Die Scherben schreibt Heck den Ubiern, einem keltisch-germanischen Volk, zu. Der nächst ältere Fund stammte aus einem Urnengrab auf dem Plateau über den Höhlen und wurde von Heck in die Zeit um 800 v. Chr., also frühe Eisenzeit, datiert. Ebenfalls außerhalb der Höhlen wurden Geräte aus der Jungsteinzeit gefunden, die etwa - je nach Kulturraum - 5000 oder 4000 v. Chr. beginnt und bis zur Bronzezeit (ca. 1800 v. Chr.) reicht und in der als bedeutender Fortschritt die Töpferei »erfunden« wurde. Die meisten Funde in den Höhlen stammten jedoch aus der hier ältesten Zeit, der Jünge­ren Altsteinzeit (ca. 50000 bis 10000 v. Chr.). Heck erwähnt häufig »Makrofauna«, d. h. Knochen und Zähne von zum Teil ausgestorbenen Großtieren wie Mammut, Höhlenbär, Rentier, Wisent und »Mikrofauna«, d. h. Kleintiere, wie sie heute ähnlich in nordischen Län­dern vorkommen, z. B. Nagetierreste, Eulengewölle. An manchen Stellen verdichteten sich Aschespuren, Reste von Feuerstellen und Brand­schichten, dass Heck sogar von einer »Werkstatt« spricht. Entsprechend zahlreich waren hier die Funde: Artefakte (=Werkzeuge), Abschläge, Klingen, Feuersteine, ausgebrannte Knochen, Schieferplatten mit behauenen Rändern und Schlagspuren in einer flachen Kalkplatte als Auflage zum Klopfen3).Außerdem erwähnt Heck noch den Fund eines Schenkelknochens von einem Steinzeit­menschen'1).Heck konnte seine Ausgrabungen nicht zu Ende führen, denn am Schluss seines Fundbe­richtes heißt es leider:

»12.2.21. Zugang zum Abri und den Höhlen... nicht mehr möglich, da durch den Steinbruchbetrieb der diese verbindende Felsstreifen bis auf geringe Reste beseitigt ist. Ein Überschreiten der Stelle ist nur noch unter Lebensgefahr möglich, sodass jedes weitere Graben zu Ende ist. Die Steinbrucharbeiter beauftragt, etwa noch vorkom­mende Fundstücke zu sammeln und abzuliefern.«

1) H. Heck, Zur Ortsgeschichte von Altendiez, Diezer Heimatbll. Nr. 1,1966, S. 6-12; dieser Aufsatz wurde zuletzt abgedruckt in der Festschrift des VfL 1986;
²) H. Heck, Ausgrabungen in den Höhlen der Wildweiberlei, Gem. Altendiez, 20 Min. Lahnabwärts Diez, Fundber. im StAD; Auszüge davon auch in: Ders., Die goldene Grafschaft, Diez 1956 S. 11/12 und Ders., Zur Ortsgesch. von Altendiez, Diezer Heimatbll. Nr. 1,1966, S. 6/7; 3)Heck, Fundber., bes. S. 16;4) Heck, Zur Ortsgesch. von Altendiez, Diezer Hei­matbll. Nr. 1, 1966, S.

 

Ausgrabungen_skizze_1

Skizze 1 aus H. Hecks Fundbericht über die Ausgrabungen in der Wildweiberlei: Überblick über das Höhlensystem

Ausgrabungen_skizze_13
Skizze 13 aus Hecks Fundbericht über die Ausgrabungen in der Wildweiberlei: Schnittprofil vom Westeingang der Höhle l.

Wildweiberlei-Funde

Latenezeitliche Funde von der »Wildweiberlei«(Abbildung aus H. Heck: Die goldene Grafschaft Diez, 1956.

Die Grabungsfunde befinden sich im Magazin des Landesmuseums m Wiesbaden).



Die Urkunde von 790 ²)

Dieses Diplom ist eine der gängigen mittelalterlichen Schenkungsurkunden: Karl d. Gr. vermacht darin dem Kloster Prüm das gesetzlich eingezogene Gut eines Grundherrn na­mens Alpad im Lahn-, Einrich- und Engersgau. Welcher Vorgang, der zum Einzug dieses Besitzes von Alpad geführt hat, hier zugrunde liegt, wissen wir nicht. In der Urkunde wird sorgfältig aufgelistet, woraus der Grundbesitz im einzelnen besteht: Ländereien, Wohn­häuser, Gebäude, Bauern, Sklaven, Weinberge, Felder, Wälder, Wiesen, Weiden, Quellen und Wasserläufe.

Ausschnitt aus der Prümer Urkunde von 790 (in einer Abschrift des 10. Jh.):

Die Urkunde von 790

Besitz des Klosters Prüm im Lahn- und Einrichsgau nach dem Urbar (= Grundbuch) von 893

Besitz Kloster Pruem

+ = vermuteter Kirchenzehnt an das Kloster
. = Eigene Höfe des Klosters Prüm

Die Rolle des Klosters Prüm

Unter den Klöstern gab es große Unterschiede hinsichtlich ihres Besitzes und Einflusses. Die Masse der kleineren und mittleren Abteien hatte nur lokale, bestenfalls regionale Be­deutung. Auf Reichsebene gab es nur wenige prominente Klöster mit großem Ansehen, dazu gehörten z. B. Fulda, die Bodenseeklöster St. Gallen und auf der Reichenau, Lorsch und auch Prüm.

Prüm war gewissermaßen das Hauskloster der Karolinger; 721 von einer Edelfrau Bertrada gegründet, wurde dieses Benediktinerkloster nach bescheidenen Anfängen vom Frankenkönig Pippin d. J. und dessen Gattin Bertrada, einer Enkelin der Gründerin, gezielt gefördert. Als attraktive Reliquie erhielt es vom König die Sandale Christi. Auch Pippins Sohn, Karl d. Gr., kümmerte sich um das Prümer Kloster: er ließ z. B. den Neubau der Kir­che 799 durch den Pabst weihen. Von den Königen und Großen des Reichs erhielt die Abtei viel Besitz geschenkt, dazu zählt auch Karls Urkunde von 790, die unseren Raum betrifft.

Im Prümer Urbar, einem Grundbuch von 893, werden 373 Besitztümer aufgezählt, bei de­nen zwei kompakte Bereiche festzustellen sind: die südliche Eitel von Prüm bis Trier und der Raum südwestlich Bonn vom Rhein bis in die Nordeifel. Weitere lockerere Besitztü­mer lagen bei Luxemburg, in Rheinhessen, in den Ardennen, südöstlich von Metz, nörd­lich von Aachen, am Niederrhein bei Nymwegen und an der unteren Lahn bzw. Aar.

 

 



30 Jahre Mord und Totschlag -
Die Leiden der Altendiezer im 30-jährigen Krieg


Während des 30-jährigen Krieges wurden die nassauischen Lande nicht so sehr durch Kampfhandlungen heimgesucht als vielmehr von Einquartierungen und durchziehen­denden Truppen. Besonders schlimm waren die 30-er Jahre. Ohne Rücksicht auf konfes­sionelle Zugehörigkeit wurden gerade die ungeschützten Bauerndörfer brutal geplün­dert. Es war ein Glück für die Grafschaft Diez, dass die resolute Gräfin Sophie Hedwig in den Jahren 1632-1642 wenigstens zeitweise das Schlimmste verhindern konnte. Trotzdem sah am Ende des Krieges die Bilanz für Diez und Umgebung erschreckend aus:1) die Dörfer Niederstaffel, Kreuch (bei Limburg), Habenscheid und Heuchelheim (ge­genüber von Holzheim) waren wüst geworden. Kloster Dierstein war völlig zerstört, nur ei­nige Mauern der Kapelle wurden später beim Bau des Schlosses Oranienstein auf den Trümmern des ehemaligen Klosters mit verwendet. Viele Orte waren fast ganz entvölkert; die St. Peter-Kirche befand sich in einem so verwahrlosten Zustand, dass kein Gottesdienst darin gehalten werden konnte. Landwirtschaft, Weinbau und Viehzucht waren ruiniert, und nur langsam begann nach dem Krieg die Reorganisation des Lebens. Altendiez überstand zwar den Krieg, war aber ebenfalls schwer mitgenommen worden. Ein Ausschnitt aus den Schilderungen der Drangsale dieser Zeit soll dies verdeutlichen:2) 1633 hausten sechs Wochen lang schwedische Truppen unter Pfalzgraf Christian von Birkenfeld im Lande und richteten ungeheuren Schaden an. Kloster Dierstein wurde von ihnen endgültig zerstört. Für ihre Lagerfeuer plünderten sie alles Hölzerne aus der Peters­kirche.

Im Januar 1634 überfiel ein Trupp spanischer Soldaten Altendiez und raubte 156 Schafe und 7 Stück Rindvieh.

Im August 1635 lagerte der berüchtigte Räuber Etzkorn mit seiner Bande im Altendiezer Wald. Er war ein ehemaliger Offizier, der etliche Marodeure um sich geschart hatte und von der Burg Molsberg aus die Gegend terrorisierte.3)

1635 erschien ein Oberst Seneschal mit seinem Regiment dreimal im Raum Diez, seine Truppen verteilte er u. a. auch auf Altendiez, Aull und Heistenbach. Geradezu idyllisch wirkt dagegen eine Episode aus dem Jahre 1627, als in der Peterskir­che die öffentliche Trauung eines französischen Soldaten mit einem jungen Mädchen aus Heistenbach stattfand: »Da der französische Soldat die deutsche Sprache kaum verstand, ließ ihm der Pfarrer Wissenbach durch einen Dolmetschen die Ansprache, die er gehalten hatte, übersetzen. Hierauf gab der Soldat zu verstehen, dass er alles, was ihm der Pfarrer gesagt hatte, befolgen wolle.«4)

Um zu zeigen, welch Leid und Verluste die Landbevölkerung fast Jahr für Jahr verkraften mußte, soll noch einmal auf das schlimme Kriegsjahr 1633 zurückgegriffen werden, für das aus den einzelnen Orten genaue Schadensberichte und -berechnungen vorliegen.5).

Im schwerfälligen Amtsdeutsch heißt dieser Vorgang:

»Extractauß denen Verzeichnußen, so der Grauvschafft Diezes ezli-che Dorffschafften und Aemptern zu liquidirung desen was sie bey inlagerung Ihrer Pfalsgraff Christians F(ürstl.) gn(aden) under-habenden Kriegs Armeen, angewendet, gelitten, und verlohren, ein-geliffert haben.«


Das Verzeichnis der »22 Hausgesessen« zu Altendiez zeigt, dass die schwedischen Trup­pen damals von praktisch allen Lebens- und Futtermitteln kräftig requiriert haben; auch Werkzeug, Pflüge, Hausrat, Kleidung wurde mitgenommen. Besonders einschneidende Verluste erlitt das Dorf bei den Rerden. Während aus den anderen Orten drei oder fünf mitgenommen wurden, steht hier bei Altendiez:

»Pferdt, 13, so gekost und wehrtt gewessen 409 Reichsthaler.« Unter »Exorbitantien« (= besondere Vorkommnisse) steht dann noch:

»Ein Mann gantz gefährlich geschossen,... dass großer schaaden im grühnen Korrnfeldt geschehen, dass Korn in die Erdte getreuen undt abfressen; Noch großem schaaden, dass das feldt nicht wieder kann gebauet undt besamett werdten.«



1' H. Heck, Die goldene Grafschaft, Diez 1956, S. 129;2) Diezer Chronik, hrsg. v. R. Heck, Diez 1923, S. 23 ff.;3) R. Heck schrieb zu diesen Ereignissen eine spannende Novelle, vgl. unten S. 145; 4) Diezer Chronik, S. 14; 5) R. Heck, Die Regentschaft der Gräfin Sophie Hedwig v. Nassau-Diez, geb. Hzgin v. Braunschweig-Lünebg. 1632 -1642, Diez 1923, Anhang mit Dokumenten S. 253 ff., Altendiez auf S. 258.


Altendiez in jüngster Vergangenheit


Nach dem 2. Weltkrieg stieg die Bevölkerungszahl stetig an. Altendiez wurde durch die günstige Verkehrslage zu Diez und Limburg ein bevorzugter Ort für Bauwillige. Mehrere Neubaugebiete haben seit den 50-er Jahren bis heute das Gesicht des Dorfes verändert: Landgraben, Waldstraße, Lahnblick, Hambach, Hinterm Gäßchen, Erzgrube, Hahnsfeld. Auch die Bevölkerungs- und Berufsstruktur hat sich wesentlich gewandelt. In dem ehe­maligen Bauerndorf gibt es heute nur noch zehn Haupterwerbslandwirte. Alle lebens­wichtigen Handwerke und Gewerbe sind heute im Ort vertreten bis hin zu neuangesiedel­ten Dienstleistungsbetrieben, z. B. eine Apotheke. Ein großzügiges Gewerbegebiet ent­stand Mitte der 70-er Jahre am Ostrand des Ortes. Außerdem gibt es z. Zt. 13 Vereine, die durch ihre Aktivitäten das Dorfleben mitgestalten.

Die wichtigsten Baumaßnahmen dieses Zeitraums sollten noch im Überblick erwähnt werden:

1950 wurde die Schule in der Lahnstraße aufgestockt, um die Schüler aus der Schule im Rathaus aufzunehmen. Letzteres wurde anschließend umgebaut und man erhielt neue Diensträume und einen großen Sitzungssaal. 1959 wurde eine neue Leichenhalle gebaut und am 22.11. desselben Jahres eingeweiht2).

Das ständige Anwachsen der Bevölkerung führte im trockenen Sommer 1959 zum Was­sernotstand. Eine Tiefbohrung führte 1960 zum Erfolg, so dass im folgenden Jahr ein neuer Hochbehälter gebaut werden konnte. 1961 wurde auch das Kriegerehrenmal auf dem Friedhof errichtet.

Parallel zu diesen Bauten lief ein weiteres Projekt: Die Errichtung der Turn- und Sporthalle am Lahnblick. Der Grundstein wurde am 31.7.1958 gelegt, im September 1960 wurde die Halle ihrer Bestimmung übergeben. Der benachbarte Sportplatz »Lahnblick« wurde 1961 ausgebaut und 1979/80 nochmals erneuert. 1985/86 wurde die Turnhalle zur Mehrzweckhalle des Dorfes umgebaut und heißt seitdem »Lahnblickhalle«. Auf Initiative der Eltern kam es zum Bau des Kindergartens, der der Verwaltung der evan­gelischen Kirchengemeinde untersteht. Nach der Grundsteinlegung 1963 wurde im Juli 1964 mit einem »Tag der offenen Tür« das Haus eingeweiht. Damals betreuten zwei Erzie­herinnen mit zwei Helferinnen insgesamt 80 Kinder. Seit 1978 kommen auch die Kinder aus Eppenrod hierher, anfangs waren es zwölf, z. Zt. sind es zwanzig. Nach dem 20-jähri­gen Jubiläum im Juli 1984 wurde im November 1984 der Erweiterungsbau mit einem Fest, Basar usw. eingeweiht. Seitdem umfasst der Kindergarten drei Gruppen ä 25 Kinder mit je einer Ganztagskraft und einer Halbtagskraft. Ende Juli 1989 wurde der 25. »Ge­burtstag« mit einem großen Fest im Garten gefeiert.

1963 beschloß der Gemeinderat den Bau einer 6-klassigen Volksschule. Sie wurde dann jedoch von dem 1964 gegründeten Schulverband »St. Peter« gebaut, dem zunächst Al­tendiez, Aull, Hambach und Heistenbach angehörten. 1965 traten auch Gückingen und Eppenrod bei. Die voraussichtlichen Baukosten wurden auf 2,65 Mio. DM veranschlagt. Am 29.10.1965 fand die offizielle Grundsteinlegung, am 22.8.1967 die Einweihung der Schule statt. Seit 1975 dient die Schule als Hauptschule der Verbandsgemeinde Diez, die Klassen 1 -4 werden seitdem in der Karl-von-lbell-Schule in Diez unterrichtet. 1984 -1986 wurden für ca. 3,4 Mio. DM Neu- und Umbauten durchgeführt und am 7.5.1986 der Er­weiterungsbau eingeweiht. Die Hauptschule umfaßt jetzt 15 allgemeine Klassenräume, einen abteilbaren Mehrzweckraum, mehrere Fachräume für Naturwissenschaften, Musik, Bücherei usw. und ein Lehrschwimmbecken. Das neue Gemeindehaus der Kirchengemeinde neben dem Kindergarten wurde am 15.12.1974 eingeweiht.³)

 

Die freiwillige Feuerwehr bezog 1969 das in eigener Regie erstellte neue Gerätehaus, 1984 zum 50-jährigen Jubiläum der Feuerwehr wurde ebenfalls in Eigenleistung das Ge­rätehaus erweitert und 1987/88 aus Mitteln des Vereins eine Garage angebaut. Das nächste große und doppelte Bauprojekt war die Errichtung der Fröbelschule und der Turnhalle auf dem Gelände östlich der Hauptschule. Fast zwei Jahre dauerte es, bis am 22.8.1984 die Sonderschule von Diez in das neue Gebäude umziehen konnte, das ca 4,7 Mio. DM kostete. Die Fröbelschule hat zehn allgemeine Klassenräume, einen Mehrzweck­raum, verschiedene Fachräume, z. B. für Werken, Kochen, Naturwissenschaften. Im Au­ßenbereich gibt es einen Holzpavillon als Freiluftklasse, Spielgeräte für die Pausen und ein Verkehrserziehungsgelände.Der Bau der benachbarten Sporthalle, die 45 x 12 m groß ist, wurde im September 1983 begonnen und am 20.11.1984 eingeweiht. Sie ist in Form, Gliederung und Farbe an die Fröbelschule angepasst und wird von den Sonder- und Hauptschülern sowie von den Ver­einen intensiv genutzt. Die Kosten beliefen sich auf 2,78 Mio. DM. Hinter der Hauptschule gibt es noch zwei Kleinspielfelder, vier Kurzstreckenlaufbahnen sowie Anlagen für Hoch-, Weitsprung und Kugelstoßen.

Das bisher letzte Bauvorhaben war bzw. ist die Anlage des Abwassersammlers, durch den Altendiez in drei Bauabschnitten 1988 -1990 an die zentrale Kläranlage in Diez an­geschlossen wird. Durch die umfangreichen Tiefbauarbeiten und monatelangen Ver­kehrsumleitungen gab es für die Anwohner z. T. erhebliche Beeinträchtigungen. Als besonderes Datum in der Dorfgeschichte ist der 29.2.1987 zu nennen, denn an die­sem Tag wurde im Sinne des sich weiter zusammenschließenden Europa eine offizielle Partnerschaft mit der englischen Stadt Burton Latimer gegründet. Sie kam auf Grund per­sönlicher Bekanntschaften und durch das Engagement des damaligen Bürgermeisters Rüger zustande. Mehrere Besuche von verschiedenen Gruppen haben bereits in beide Richtungen stattgefunden.

Am 16.8.1989 fiel durch einen Orkan einer der letzten Bimbesbäume, der an der Fröbel­schule, völlig zerstört um, obwohl er wenige Jahre vorher durch Baumchirurgen gesichert und saniert worden war. Um die Existenz dieses Altendiezer Wappensymbols zu retten, wurde am 18.10.1989 an derselben Stelle der Setzling eines echten Bimbesbaumes, den G. Maxeiner gezogen hatte, gepflanzt. Wir alle hoffen, dass er kräftig wachse und damit für die Zukunft ein echtes Symbol ist für das Gedeihen der Gemeinde.


Früher kein Birnbaum


Im ganzen Nassauer Land nennt man uns seit Generationen die »Altendiezer Bimbes«. Selbst die ältesten Mitbürger können sich an keinen anderen Spitznamen für die Altendie­zer entsinnen. Folgerichtig zeigt das Altendiezer Wappen einen Birnbaum, von dessen Früchten ja bekanntlich unser Brotaufstrich, der Birnensaft, kurz auf Nassauer Platt »Bim­bes« - abstammt.

Um so erstaunter waren Adolf Morlang und ich, als wir im Gemeindearchiv ein Wappen der Gemeinde entdeckten, das keinen Birnbaum, sondern eine Kornähre zeigt. Erst ab ca. 1850 ist diese Kornähre nicht mehr auf den Urkunden zu finden. Tatsächlich passt der Zeitpunkt, zu dem die Altendiezer ihr Wappen änderten, zu der Ge­schichte des »Bimbes«, die nach mündlicher Überlieferung wie folgt wiedererzählt wer­den kann:

Die Nassauer Fürsten hatten sich durch die Rheinbundakte 1806 verpflichtet, Napoleon l. von Frankreich durch Truppengestellung militärische Unterstützung zu gewähren. 1808 wurde die französische Armee in Spanien sehr stark bedrängt. Nassau musste ein Infanterieregiment nach Spanien entsenden. Unter den Soldaten war auch ein Altendie­zer namens Röbel. Dieser sah, wie eine Spanierin wohlriechenden und gut schmecken­den Sirup bereitete, der von Birnen gekocht wurde. Röbel ließ sich das Rezept geben und den Birnbaum zeigen, auf dem die Birnen für den Sirup wuchsen. Er erreichte nach Ende des Krieges wieder wohlbehalten seine Heimat. In seinem Gepäck befanden sich ein paar Birnenkerne.

Tatsächlich gelang es ihm, einen Birnbaum aufzuziehen, der dann auch die ersten Früchte trug. Ganz Altendiez war von Röbels Birnensaft begeistert, und Jahre später be­saß praktisch jede Familie einen »Graubirnenbaum«. Röbel hatte als Dank seinen Spitz­namen weg. Selbst seine Nachfahren heißen heute noch »Bimbesröpel«. Als die Eisenbahn ins Lahntal gebaut wurde, gab es in Altendiez so viel Bimbes, dass die Bauarbeiter in Altendiez ihren Brotaufstrich kaufen konnten. Der Bimbes bescherte den Altendiezern einen bescheidenen Wohlstand und das neue Wappen. Die Zeiten haben sich geändert und Bimbes stirbt als Brotaufstrich langsam aus. Noch gibt es ganz wenige Birnbäume, die den Bimbes lieferten. Einer steht am Ortseingang auf dem Grundstück der Schreinerei Künzler. Müssten wir eigentlich nicht dafür sorgen, dass unser »Groobiirbaam« nicht ausstirbt?


Robert Wiederstein



Bimbes


Das wohl bekannteste Altendiezer Rezept ist der Bimbes. Er ist so beliebt bei den Einwoh­nern, dass er ihnen sogar den Namen gab: Altendiezer Bimbeslecker. Im Wasserkessel kochte man große Mengen von diesem süßen Brotaufstrich.

- etwa 75 kg Birnen

- etwa 5 kg Zucker

Birnen gründlich waschen und abends zum Kochen bringen, über Nacht garen lassen. Am nächsten Morgen keltern und den Saft im Kessel eindicken lassen, dabei Zucker zu­fügen. Den heißen Bimbes in Steinguttöpfe füllen und mit Pergamentpapier verschlie­ßen.

 

 

Beim Bimbes kochen

Birnenmus


Eine andere Möglichkeit Birnen zu verarbeiten, ist das Birnenmus. Da hier die Birnen ge­schält werden, macht dieses Rezept sehr viel Arbeit. Um sich das mühselige Schälen zu erleichtern, trafen sich die Frauen aus der Nachbarschaft und arbeiteten beim gemütli­chen Schwätzchen gemeinsam.

- etwa 75 kg Birnen

- etwa 5 kg Zucker

Birnen waschen, schälen, vom Kerngehäuse befreien und halbieren. Die Schalen über Nacht kochen und am Morgen keltern. Im großen Kessel eindicken lassen und nach und nach die Birnenhälften und den Zucker zugeben. Dabei ständig rühren, um ein Anbren­nen zu verhindern. Das sämig gewordene Mus noch heiß in Steinguttöpfe füllen und mit Pergamentpapier verschließen.